Eine Werkstatt, gegründet, um eine Tradition wiederzubeleben
1977 eröffnet Roberto Polidori seine Werkstatt in Pitigliano, in einer Gegend, in der die alten Keramikwerkstätten längst verschwunden waren.
Nach dem Architekturstudium und Erfahrungen in Malerei und zeitgenössischer Kunst entscheidet sich Roberto für die Keramik. Seine Forschung entspringt auch dem Wunsch, die Figur des Töpfers und ein handwerkliches Wissen wiederzubeleben, das verloren zu gehen drohte.
In den ersten Jahren begegnet er dem damals neunzigjährigen Keramikmeister Mario Pizzinelli, von dem er einen Teil dieses Wissens übernehmen kann.
So wird die Werkstatt nicht nur zu einem Ort der Herstellung, sondern zu einem Raum der Forschung: ein Ort, um von der Tradition zu lernen, mit dem Material zu experimentieren und neue Möglichkeiten für die Keramik zu suchen.
Keramik als Forschung
Für Roberto Polidori ist Keramik nicht nur die Herstellung eines Objekts. Sie ist eine Art, Form, Material, Farbe, Technik und Raum zusammenzubringen.
Schon in seinen Ausbildungsjahren hat sich seine Forschung auch jenseits der Keramik als reines Gebrauchs- oder Dekorobjekt entwickelt. Keramische Formen, modulare Elemente und glasierte Oberflächen sind in Innenarchitektur und Architektur eingeflossen, in einem ständigen Dialog mit Möbeln, Licht und Raum.
Diese Offenheit für andere Ausdrucksformen hat die Arbeit der Werkstatt über die Jahre begleitet: Die Kenntnis der handwerklichen Techniken wird so zum Werkzeug, um neue Formen und Ausdrucksmöglichkeiten zu erproben.
Die Keramik bleibt der Ausgangspunkt, aber nicht unbedingt ihre Grenze.
Die Landschaft als Material
Pitigliano ist nicht nur der Ort, an dem sich die Werkstatt befindet.
Die Landschaft der Area del Tufo mit ihren Tonen, ihren Farben und ihrer Keramikgeschichte ist fester Bestandteil der Forschung. Über die Jahre hat Roberto lokale Materialien gesammelt und studiert und ihre Eigenschaften und Ausdrucksmöglichkeiten beobachtet.
Diese Aufmerksamkeit für das Material setzt sich heute in der Arbeit der Werkstatt fort, in der jede Keramik aus dem Zusammenspiel von Form, Ton, Glasur, Dekor und Feuer entsteht.
Handarbeit hinterlässt zwangsläufig Spuren. Kleine Abweichungen in Form, Farbe und Oberfläche sind keine zu beseitigenden Fehler, sondern Teil des Prozesses, der jedes Stück von den anderen unterscheidet.
Ausstellungen, Publikationen und Kooperationen
Im Laufe der Jahre wurde die Arbeit von Roberto Polidori in Ausstellungen und Schauen in Italien und im Ausland gezeigt, darunter in Mailand, Florenz, Rom, Nanjing, New York, Dijon und Frankfurt.
Außerdem hatte er Einzelausstellungen in Berlin, Burgau, Locarno, Montalcino und auf der Burg von Sarteano.
Über seine Arbeit wurde auch in Publikationen und Zeitschriften für Keramik und Architektur berichtet. 2022 erschien Impersonale VI, ein Werk aus dem Jahr 1995, auf dem Titelblatt der Zeitschrift D'A und wurde 2023 in Faenza im Rahmen der Ausstellung Primedicopertina 18/22 gezeigt, die den Titelwerken von D'A und La Ceramica Moderna & Antica gewidmet war.
Im Laufe seiner Tätigkeit hat Roberto außerdem mit europäischen Künstlern verschiedener Disziplinen zusammengearbeitet und die Werkstatt für Lehrangebote, berufliche Ausbildung sowie Austausch und Experimente geöffnet.
Seit 2023 ist Roberto Polidori als Master Artisan im Projekt Homo Faber der Michelangelo Foundation for Creativity and Craftsmanship anerkannt, die ihn als Keramiker vorstellt und seine Arbeit bei der Weitergabe von Wissen an neue Generationen hervorhebt.
Die Werkstatt heute
Heute setzt Ceramiche Polidori seinen Weg gemeinsam mit Roberto und seinen Kindern Laura, Giovanni und Alessandro fort, die in der Werkstatt arbeiten und – jeder in seiner eigenen Rolle – eine 1977 begonnene Geschichte weitertragen.
Die Arbeit bleibt eng mit der handwerklichen Praxis verbunden: formen, drehen, zusammensetzen, bemalen, glasieren und brennen. Aber auch entwerfen, experimentieren und annehmen, was das Feuer zurückgibt.
Es ist eine Arbeit, die sich nicht ganz von den Händen derer trennen lässt, die sie ausführen.
Seit 1977 haben sich Formen, Techniken und Richtungen der Forschung verändert. Geblieben ist jedoch derselbe Grundgedanke: das Material kennenzulernen, indem man es direkt bearbeitet, zu respektieren, was die Tradition zu lehren hat, und weiter nach dem zu suchen, was man noch nicht kennt.